Spaziergang im Reihenhausgarten

Dieser Garten ist nur achtundvierzig Quadratmeter groß. Aber geschickt umgesetzt vermittelt er das Gefühl eines viel größeren Raums und verlockt zu einem Spaziergang. Er ist ein bisschen wild und bisschen verwunschen. Das alles geht auch in einem Reihenhausgarten. Im Lageplan dieses Gartens erkennst du sofort, wie ähnlich er dem Garten vom letzten Monat ist. Gibt es überhaupt einen Unterschied?

Skizze, Aufsicht auf einen Reihenhausgarten mit einem gewundenen Weg, der von einer kleinen Terrasse zu einer zweiten am anderen Ende des Gartens spaziert.  Die restliche Fläche besteht aus überhöhten Beeten. Ein Baum neigt sich über den Weg.
Dieser kleine Garten wirkt auf den ersten Blick unspektakulär

Und ob! Dieser Garten hier ist in Bewegung! Ob etwas gerade oder geschwungen ist, macht in Gärten einen Riesen Unterschied. Dies ist der vierte in der 12 Gärten Reihe.

In diesem Jahr (2021) probieren wir etwas Neues. Ich starte die Reihe „12 Gärten“.

Jeden Monat stelle ich dir ein neues grobes Konzept, eine mögliche Raumaufteilung für einen Garten vor. Der Clou dabei: Das Grundstück ist immer gleich. Wir spielen „Was geht alles?“ in einem Reihenhausgarten. Mit Südausrichtung, sechs Meter Breite,  acht Meter Tiefe – also achtundvierzig Quadratmeter insgesamt. Außerdem Brett Eben ist es ein kleiner Garten wie wir ihn alle kennen. 

Es ist der Garten, über den ich hier die ganze Zeit schreibe.

Die Skizzen sind bewusst grob gehalten und die einzelnen Konzepte werden wenige spezifische Details enthalten. Warum? Weil wir hier nicht bei Mein schöner Garten sind, und weil ich dir keine Komplettlösungen verkaufe (die sowieso nicht funktionieren, weil zu spezifisch), sondern weil wir gemeinsam gucken, wie Räume funktionieren. Ein passendes Raumkonzept kann ebenso gut ein romantischer Rosengarten werden wie ein betont moderner minimalistischer Garten.

Genau wie im Vorgarten gibt es hier eine kleine Fläche vor dem Gebäude, einen Weg, und dann – neu – eine weitere Fläche vor der Gartentür. Die Gartentür sitzt diesmal nicht in der Mitte. Der ganze Rest des Gartens besteht aus Beeten.

Es gibt drei wichtige Punkte, die für das Konzept dieses Gartens unverzichtbar sind.

Warum der Weg verlockt – Neugier, Lebendigkeit, Bewegung

Der Weg läuft geschwungen in einer Diagonale. Das heißt, wenn du von den beiden Stirnseite gerade durch deinen Garten schaust, gibt es keine Achse, der du folgst, sondern eine Diagonale, die deinen Blick bremst. 

Die geschwungenen, vielleicht sogar asymmetrischen Grenzen in diesem Garten sprechen eine ganz andere Sprache als die gerade Grenzen des letzten. Durch sie wird der Raum langsamer, verträumter, lädt eher zum Verweilen ein. Wenn du hier durch die Pforte trittst und zur Terrasse willst, ist die Wahrscheinlichkeit, dass du kurz stehen bleibst, um an einer Blüte zu riechen oder die Hummel zu betrachten, deutlich höher als im Vorgarten.

Es wird demnächst noch einen Artikel über Wege, Kurven und Kreuzungen geben, aber grundsätzlich solltest du wissen, dass Menschen fast immer den geraden Weg bevorzugen. Anders ausgedrückt. Wenn sie die Wahl haben, gerade über den Platz zu laufen, anstatt im Zickzack, werden sie das tun. Um sie eine Kurve laufen zu lassen, braucht es einen Grund.

Also, wie sorgst du dafür, dass du, deine Gäste und Kinder auf dem Weg bleiben?

Der einfachste Grund ist: Auf dem Weg läuft es sich am bequemsten. Er ist zum Laufen gedacht. In den Beeten könnte man stolpern. Aber gerade, wenn deine Pflanzen noch jung sind, kann die Verlockung, zwischen ihnen hindurch zu trippeln, groß sein. Das ist einer der Gründe, warum in diesem Garten die Höhen so wichtig sind.

Skizze, Perspektive eines Reihenhausgartens mit einem Weg, der sich zwischen hügeligen Beeten schlängelt. Ein Baum beschirmt den Weg. Die Szene wirkt wie der einladendende Beginn eines Spaziergangs.
Mit flachem Beeten wäre dieser Garten keinen Spaziergang wert.

Höhen

Höhen sind eine weitere Form von Lenkung der Schritte. Die Beete zu beiden Seiten sind deshalb angehügelt. Dadurch wird die Alternative der geraden Linie noch ungemütlicher.

Aber vor allem sind die Beete angehügelt, um dem Garten noch ein bisschen Leben zu geben. Nicht nur die Schritte werden gelenkt, auch der Blick. Was die Hügelbeete dir zeigen, ändert sich mit jedem Schritt. Der Weg selbst entwickelt sich erst nach und nach vor dir, wenn du ihn entlangschlenderst. Was hinter dem Weg liegt, wird so veränderlich. Das hier ist eine praktische Anwendung des Neugier-Prinzips . Damit gilt natürlich, je höher die Beete und die Bepflanzung, desto größer das Geheimnis und desto deutlicher das Beet. Trotzdem. Irgendwann werden die Böschungen zu steil, um noch natürlich zu wirken.

Aufenthalt

Dieser Garten hat zwei Bereiche, um zu verweilen. Einen vor dem Haus, einen am anderen Ende. Beide sind ziemlich klein. Der Hügelgarten ist keiner, in dem man große Partys feiert. Aber wenn du in Ruhe lesen willst, während jemand anders telefoniert oder den Grill anheizt, dann ist er genau richtig. Was auf welcher der beiden Flächen passiert, ist eigentlich egal. Mit mobilen Gartenmöbeln kannst du dir immer da dein Plätzchen einrichten, wo es dir gefällt.

In den Beeten können sich Pflanzenliebhaber austoben. Ich stelle sie mir gern mit Schattenliebenden Stauden und Farnen vor und mit einem Baum, der alle beschirmt.

Aber ein Gemüsebeet mit Hügelkultur könnte auch sehr gut gehen.

Wenn du beim Rasenmähen Herausforderungen magst dann nimm Rasen. (Dann kannst du dich auch sehr schön an die grüne Flanke lehnen, um zu lesen.)

Dieser Garten mit seiner ausgeprägten, künstlichen Topografie würde ohne Rahmen schnell verloren oder, noch schlimmer, lächerlich wirken.

Kein Mensch braucht zusätzliche Hügelchen im Garten. Wir tun das nur, weil uns diese Inszenierung glücklich macht. Diese augenscheinliche Sinnlosigkeit lässt sich leichter ignorieren, wenn man nicht ständig Nachbarn oder Passanten ein schweigendes Urteil abgeben können. Außerdem wird die Inszenierung glaubhafter, wenn man weniger optischen Widerspruch von draußen bekommt. (Immerhin könnten alle Gärten so aussehen. Ist hier halt hügeliges Gelände.)

Auch hier ist also wieder eine starke Grenze, ein Sichtschutz, sinnvoll. Gerne da unterbrochen und inszeniert, wo der Ausblick die Atmosphäre steigert.

Was hältst du von dieser Skizze? Kannst du dir einen Garten nach diesem Konzept vorstellen? Wie sähe er bei dir aus? Schreib mir einen Kommentar.

Im Laufe dieses Jahres werden noch weitere Gartenideen dazu kommen, und wenn bis jetzt noch nicht das richtige dabei war, möchtest du diesen Blog vielleicht abonieren.

Wenn du nicht so recht weiter weißt, oder andere Fragen hast, ich helfe dir gern.

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