5 Wahrheiten über Giftpflanzen im Garten

Fingerhutblüten mit einer Hummel. Zeichnung coloriert in rosa, gelb und grün


„Ist Clematis eigentlich giftig?“

irgendwer

„Ähhh“, sage ich und weiß, was für eine Unterhaltung folgen wird. Denn die Frage nach der Clematis ist ein Anzeichen für tiefergehende Überlegungen. Zwei Dinge kommen im Leben des Fragestellers zusammen: Der erste eigene Garten und ein Kind. Plötzlich fragt man sich, wie gefährlich eigentlich … so ziemlich alles ist.

Die Wahrheit ist sowohl einfach, als auch kompliziert und in gewisser Weise philosophisch.

Fangen wir mit der Cleamtis an

Ist Clematis giftig?

Zeichnung einer weißen Clematisblüte vor lila Hintergrund
Clematis gehört nicht in den Salat.

Ja, Clematis ist giftig. Genauer gesagt, der Saft der Clematis ist hautreizend. Hier kann man mehr nachlesen.

Das ist die einfache Antwort. Jetzt wird es komplizierter. Auch der Saft von Löwenzahn ist hautreizend. Der ist darüber hinaus auch noch giftig, wenn man ihn verzehrt. Ich habe zwei Clematis und schneide sie regelmäßig zurück. Handschuhe trage ich dabei nicht. Dass der Saft hautreizend ist, habe ich erst im Internet erfahren. Löwenzahnsalat habe ich schon häufiger gegessen und an die braunen Flecken, wenn einem als Kind der Saft über die Hände gelaufen ist, kann ich mich noch gut erinnern, aber eine schmerzhafte Erfahrung war das nicht.

Alles ist in gewissem Maße giftig. Clematis, Löwenzahn, Gänseblümchen (ja, echt)

„Die Dosis macht das Gift.“

Paracelsus

Um das ganze noch ein bisschen komplizierter zu machen (Keine Sorge, weiter unten wird es wieder einfacher), sind Pflanzen Lebewesen und unterliegen keinerlei DIN oder Qualitätskontrolle bezüglich ihrer Inhaltsstoffe. Der Wirkstoffgrad schwankt ganz erheblich. Und zwar nicht nur zwischen Gänseblümchen und Fingerhut, sondern auch zwischen Gänseblümchen A und Gänseblümchen B und Gänseblümchen im Mai und Gänseblümchen im Oktober oder … 

Wahrheit 1: Beinahe jede Pflanze ist mehr oder weniger in verschiedenen Bestandteilen giftig. Der Grad der Konzentration der schädlichen Substanzen lässt sich nur schlecht vorhersagen.

Das klingt nicht gut. Was ist die Lösung? Den Garten asphaltieren oder Plastikblumen aufstellen?

Hmm. Martha Schwartz hat da mal was geiles gemacht. Ich behaupte also nicht, das wäre keine Möglichkeit. Allerdings helfen Asphalt und Plastik nicht gegen das Bienensterben.

Es gibt Alternativen. Im Garten meiner Eltern stand eine Eibe (Taxus baccata). 

Die Eibe ist ein Totenbaum. Er ist der Göttin Hel heilig, steht auf Friedhöfen und angeblich auch am Weg zur Hölle. Die Eibe hat diesen Ruf nicht nur, weil aus ihrem Holz die besten Langbögen gebaut wurden, sondern weil sie giftig ist. Gefährlich giftig in (fast) allen Teilen. 

geschnittene Eibenkegel vor einer Hecke, gezeichnet und poppig coloriert
Ich habe eine kleine, vielleicht auch größere, Schwäche für Eiben.

Es gab im Garten meiner Eltern auch Fingerhut und Wolfsmilch, jede Menge Gänseblümchen und Löwenzahn. Noch dazu lag er am Rand der Feldmark.

Wie konnte das gut gehen?

Meine Eltern haben mir und meinen Geschwistern ein paar Dinge beigebracht, so früh wir es irgendwie verstehen konnten:

1: „Du darfst Nichts aus dem Garten essen. Gar Nichts. Sonst kriegst du Bauschmerzen.“

2: „Du darfst das und das und das essen. (Vorher im Regenfass abwaschen.)“ Die Liste umfasste den Inhalt des Gemüsegartens. Erbsen, Möhren, Himbeeren, Erdbeeren und so. Meine Eltern (und vor allem meine Oma) haben mit mir im Gemüsegarten gearbeitet und mir dabei erklärt, was essbar ist und wie ich es von dem nicht-essbaren Sachen unterscheide.

3: In der Feldmark: „Das einzige, was du hier essen darfst, sind Walderdbeeren und Waldhimbeeren. Die sehen so aus. Nichts anderes.“ Wir waren ziemlich viel im Wald unterwegs und immer, wenn wir etwas fanden, haben wir es dem anderen gezeigt. Meine Eltern mir, damit ich unterscheiden lerne, was essbar ist und was nicht, und ich meinen Eltern, um meine Meinung abzusichern. So haben wir später auch Pilze gesammelt.

4: „Niemals niemals niemals! Darfst du irgendwas von diesem Baum (Eibe) in den Mund nehmen! Sonst stirbst du!“ Wow. eine klare Ansage, die mich sehr beeindruckt hat. Wir haben den Tod im Garten. Wow. Den wirklich echten Tod.

Ja, Level 4 macht erst Sinn, wenn das Kind versteht, dass der Tod etwas Endgültiges und kein Spiel ist.

Worum es geht, sind diese zwei Wahrheiten.

Wahrheit Nummer 2: Gift lauert überall, wenn auch in unterschiedlicher Dosierung, und sich die Dosis nicht abschätzen lässt. Mit anderen Worten: Das Leben ist gefährlich.
Wahrheit 3: Eltern haben nicht den Job, die Gefahren für ihre Kinder aus dem Weg zu räumen. Es ist der Job der Eltern, ihre Kinder auf diese Gefahren vorzubereiten.

Aber …

Ja, es gibt ein überaus berechtigtes Aber:

Er ist so klein, und er steckt sich gerade alles in den Mund!

Die orale Phase. Der Nachwuchs untersucht seine Umwelt am liebsten mit dem Mund. Schleckt den Boden oder die Glastür ab, steckt sich Stifte, Beißring, Löffel, Wolle und alles, was ihm sonst so in die Finger kommt, erstmal in den Mund. Dabei ist das Kind noch zu klein, die Lektionen meiner Eltern zu verstehen und zu befolgen. Das ist gefährlich.

Also doch den Garten asphaltieren. ( Bevor du fragst, Asphalt ist nicht giftig.)

Die meisten Experten sagen, die Orale Phase endet etwa mit zwei Jahren. Sie kann aber auch dauern, bis das Kind vier ist. Oder so. Ist wie mit dem Gift in den Gänseblümchen.

Wie wäre es, wenn wir jetzt ein Gedankenexperiment versuchen?

Stell dir deinen kleinen Garten vor. Dein Kind ist zwei Jahre alt, vielleicht auch schon vier. Es hockt in Sandkasten in deinem Garten, sieht sich um und stellt fest, dass die bunten Beeren an dem Strauch da drüben perfekt wären für seinen Sandkuchen. Mit dem will es gleich seine Eltern überraschen, die im Wohnzimmer ihre Lieblingsserie streamen.

Zeichnung von Fingerhutblüten mit einer Hummel, coloriert in rosa, gelb und grün
Fingerhut (Digitalis) gibt es in vielen Farben. Alle sind sehr giftig.

Das wird nicht passieren, oder? 

Die Eltern, also du oder dein Partner, lassen so ein junges Kind nicht alleine im Garten. Dein Garten ist klein 😉 . Das ist in diesem Fall ein großer Vorteil, denn noch bevor das Kind irgendeinen gefährlichen Ort erreichen und dort etwas ungesundes tun kann, bist du schon da um deinem Abenteurer den Windel-Hintern zu retten.

Wahrheit 4: Solange dein Kind sich alles mögliche in den Mund steckt, ist es noch zu klein, um irgendwo allein zu sein.
Wahrheit Nummer 5: Dein Garten ist sehr wahrscheinlich so klein, dass du dein Kind jederzeit im Blick haben wirst.

Das ist kein Freifahrtschein, um dumm zu sein.

Es ist eine Erlaubnis, ohne Panik nachzudenken.

Du hast keinen Anlass, zu glauben, dass deine Kinder dümmer sind als du es warst. Du hast auch keinen Grund zu glauben, dass du deine Kinder in einer gefährlichen Umgebung vergessen könntest.

Die Eibe meiner Eltern stand im Vorgarten. Da spielte ich praktisch nie. Der Birnbaum dagegen hat meine Sandspiel-Phase nicht überlebt. Er stand direkt neben dem Kasten. 

Wer noch mehr lesen will, hier ein interessantes Interview mit einem Experten für Spielplatz-Gefahren

Aber das ist vermutlich nicht der Grund, warum auf du diese Seite gekommen bist.

Du brauchst harte Fakten, um zu wissen, was du besser wirklich nicht tun solltest.

Es gibt in Deutschland die DIN 18034 „Spielplätze und Freiräume zum Spielen (…)“ und die enthält eine Liste mit 5 Gehölzen, die nicht auf Spielplätzen angepflanzt werden dürfen. Es geht hier nur um Gehölze. Also Bäume und Sträucher. Natürlich gibt es auch giftige Stauden. Hier erkläre ich ein der paar der Begrifflichkeiten in Zusammenhang mit Pflanzen.

Aber, wenn diese Pflanzen auf Spielplätzen verboten sind, dann sollten sie vielleicht auch nicht in einen Garten, in dem Kinder Blödsinn machen dürfen. Auf geht’s:

  1. Goldregen (Laburnum vulgare) BILD Goldregen
  2. Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) BILD Pfaffenhütchen
  3. Seidelbast (Daphne mezereum) BLDI Seidelbast
  4. Stechpalme (Ilex aquifolium) Bild Stechpalme

Die Liste der Gesetzlichen Unfallversicherung ist noch um einiges umfangreicher und detaillierter, sie umfasst auch Stauden und krautige Pflanzen und solche Klassiker wie Efeu, Liguster, Maiglöckchen, Kartoffeln, Herbstzeitlose, Christrosen und Alpenveilchen.

Was denkst du? Wo ist deine Grenze, wenn um Gift in deinem Garten geht? Wie schützt du deine Kinder – und vielleicht auch deine Haustiere? Erzähl doch mal in den Kommentaren

Abschließend, weil ich ebenfalls ohne Panik gründlich nachgedacht habe: Disclaimer: Ich übernehme keinerlei Verantwortung für das Leben und die Gesundheit von Kindern, Erwachsenen, Haustieren oder anderen Nutzern deines Gartens.


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